Regional

Ein Zuhause fürs Leben

Ausgabe - EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH

Das Tor zum Gnadenhof „Arche“ in Würselen steht einladend offen. Den Weg zum Haupthaus des Hofs, vorbei an Kräutergärtchen, Wildblumen und Bäumen, begleitet das freundliche Grunzen von Schweinen. Wobei – vielleicht ist auch eher ein hungriges Grunzen, denn es ist Zeit fürs Abendessen. Diego, Eddie, Lilli und Rosa heißen die vier Schweine, die auf dem Gnadenhof ein Zuhause fürs Leben gefunden haben und die jetzt erwartungsvoll aus ihrem grünen, großzügigen Gehege zu uns aufblicken.

Wir dürfen Diego beim Abendessen Gesellschaft leisten. Sicherheitshalber vor dem Zaun. Der dunkle Schweine-Herr ist zwar ein Minischwein, sieht aber gar nicht so klein aus. Kaum vorstellbar, dass Diego mal als Geschenk unter einem Weihnachtsbaum in irgendeinem Wohnzimmer saß. „Die Schweine stammen von einem Gnadenhof, der aufgeben musste“, erklärt Stefan Puhl, Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins ARCHE Euregio Aachen e. V. Er engagiert sich ehrenamtlich auf dem Würselener Gnadenhof – sein Hauptberuf ist Dachdecker. „Im Prinzip habe ich hier einen zweiten Job“, erzählt er, „das fordert natürlich viel Zeit, und es bleibt im Privatleben einiges auf der Strecke. Aber meine Frau ist auch hier engagiert. Ist schon gut, dass wir uns da einig sind.“

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Die Rettung der Kümmerlinge

Und einig sind sich nicht nur Geschäftsführerin Silke Puhl und ihr Mann, sondern auch viele weitere Menschen aus der Region, die sich ehrenamtlich für den Tierschutzverein ARCHE engagieren – der fünfköpfige Vorstand, die rund 130 Mitglieder und zahlreiche Helferinnen und Helfer. „Wir kümmern uns um nicht mehr gewollte, alte und kranke Nutztiere“, erklärt Stefan Puhl. „Wir wollen zeigen, dass man mit Tieren auch anders umgehen kann als in der konventionellen industriellen Tierhaltung. Dazu leisten wir Aufklärungsarbeit, helfen bei der Vermittlung von Tieren und verteilen auch Futtermittel, die wir als Spenden erhalten.“ Zwischen 70 und 80 Tiere leben zurzeit auf dem Gnadenhof, sieben Tierarten sind dort vom Veterinäramt zugelassen: Katzen, Tauben, Pferde, Schweine, Enten, Hühner und Schafe. „Wir können nur die Tiere aufnehmen, für die wir eine Genehmigung haben“, erläutert Vorstandsvertreter Puhl. „Ohne die entsprechenden Schulungen und Sachkundenachweise geht gar nichts, und das ist auch gut so.“

Die Menschen in der Region wissen, dass sie sich an den Würselener Gnadenhof wenden können, wenn sie auf Tiere aufmerksam werden, die Hilfe und ein Zuhause brauchen. Dann melden Sie sich per E-Mail oder Telefon und fragen: „Schaut mal dort, geht es dem Tier wirklich gut?“ Manchmal stehen sie auch einfach am Tor und berichten persönlich. Wenn wirklich eine Notsituation vorliegt, wird das Arche-Team tätig. „Manchmal können wir die Halter mit gutem Zureden dazu bewegen, uns die Tiere zu überlassen. Viele geben sie auch gerne ab, weil sie selbst wissen, dass sie überfordert sind. Hin und wieder müssen wir das Veterinäramt einschalten“, berichtet Stefan Puhl. Der Bedarf, fügt er hinzu, ist sehr groß – viel größer als die Kapazität des gar nicht so großen Gnadenhofs. Wenn Platz und Genehmigung da sind, holen die Ehrenamtlichen der Arche die Tiere auf ihren Hof. Wenn nicht, helfen sie bei der Vermittlung an einen geeigneten Ort.

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So war es auch mit Tobi und Leni, zwei Rindern aus dem belgischen Grenzgebiet. Sie entsprachen nach ihrer Geburt nicht den gewünschten Kriterien – die beiden waren einfach zu klein. „Das sind dann so genannte Kümmerlinge, die werden sofort getötet“, sagt Stefan Puhl mit finsterer Miene. „In diesem Fall wären sie der Kosmetikindustrie zugeführt worden.“

Glücklicherweise kam es anders. Der Tierschutzverein ARCHE Euregio e. V. sprang ein, besorgte einen Platz auf einem Rinderschutzhof im Sauerland und bewerkstelligte mit viel Aufwand und Einsatz den Transport dorthin. Mindestens zwei Mal im Jahr besucht Stefan Puhl Tobi und Leni, die inzwischen keine kleinen Kälbchen mehr sind, sondern stattliche Rinder. „Das sind ja unsere Tiere, ich muss gucken, ob alles in Ordnung ist“, strahlt er und freut sich, dass er überhaupt keinen Grund zur Klage hat: „Die können das Leben jetzt genießen.“

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Ohne Spenden geht nichts

Die Arbeit des Tierschutzvereins Arche ist nur möglich, weil viele Tierfreundinnen und Tierfreunde sie mit Engagement und Spenden unterstützen. Wer helfen möchte, kann zum Beispiel Mitglied werden, für 48 Euro im Jahr. Der Verein freut sich aber auch sehr, wenn Mitglieder freiwillig mehr geben. Denn die Kosten, die zum Beispiel für Futter, Einstreu, Tierarzteinsätze und Medikamente auf dem Gnadenhof anfallen, sind nicht leicht zu stemmen. Auch eine Tierpatenschaft bietet die Arche an, und wer Pate wird, kann „sein“ Tier natürlich auch besuchen und streicheln kommen. „Bei den Schweinen ist das etwas schwierig“, schmunzelt Stefan Puhl, „aber bei vielen anderen Tieren ist es vor allem für Kinder toll. Die kommen ja mit vielen Tierarten, die wir hier haben, sonst gar nicht in Berührung.“

Auch mit Geld- und Sachspenden kann man die Arbeit des Vereins unterstützen. Auf der Website unter www.arche-aachen.de sind Spendenmöglichkeiten hinterlegt – zum Beispiel eine Wunschliste bei Amazon. „Wir haben ja viele alte und kranke Tiere“, erklärt Stefan Puhl die genau festgelegten Spendenwünsche, „die haben spezielle Bedürfnisse und können nicht alle Futtermittel bekommen.“ Hochwillkommen ist auch ehrenamtliche Hilfe. „Wenn jemand regelmäßig Zeit dafür hat, ist das toll! Wir sorgen dann für eine Begleitung zu Beginn, damit man in die Besonderheiten der Fütterung und der Pflege hineinwachsen kann. Leider ist das nur für Personen über 18 Jahre möglich, weil wir als Ehrenamtliche keine gesicherte Aufsichtspflicht für Kinder und Jugendliche leisten können.“

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Auf die Nachbarschaft des Gnadenhofs in Würselen und auf die Menschen in der Region kann sich das Arche-Team verlassen, betont Stefan Puhl. „Es engagieren sich viele Menschen aus unserer Umgebung – sie möchten uns als lokalem, kleinerem Verein vor Ort einfach gerne helfen. Wenn wir also eine spezielle Aktion haben, z. B. weil wir einen neuen Pferdestall bauen oder weil ein Tier in die Klinik muss, dann rufen wir unter unseren Mitgliedern und via Social Media zu Spenden auf. Und das funktioniert Gott sei Dank – zumindest größtenteils. Wenn wir die Finanzierung nicht ganz aufgefangen kriegen, müssen wir an die Rücklagen gehen.“ Damit die nicht ausgehen, ist die Unterstützung von möglichst vielen Spenderinnen und Spendern existenziell wichtig für den Verein und die Tiere, die auf dem Gnadenhof ein lebenslanges Zuhause gefunden haben. Und eines möchte Stefan Puhl noch anmerken: „Die Menschen können uns und dem gesamten Tierschutz die Arbeit sehr erleichtern, wenn sie über ihr Konsumverhalten nachdenken. Ich würde nie jemandem vorschreiben, dass er Veganer oder Vegetarier werden soll. Aber Fleisch aus Massentierhaltung meiden, insgesamt weniger Fleisch essen, Reste gut verwerten – wenn man in sich hineinhorcht, kann man sehr viel tun.“

Tierschutzverein ARCHE Euregio Aachen e. V.
Hüpchensweid 11, 52146 Würselen
Tel.: 02405 4253-83 | Mobil: 01520 3736 213
E-Mail: gnadenhof@arche-aachen.de
www.arche-aachen.de

Spendenkonto:
VR Bank Würselen
IBAN DE95 3916 2980 0303 2150 18

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