Regional

Wenn Wellen verbinden

Ein gemütliches Haus in Schleiden, ein großer Tisch, das Klirren von Kaffeetassen, freundliches Stimmengewirr. Rund ein Dutzend Funkamateure und Funkamateurinnen des DARC-Ortsverbands Rureifel sitzen beisammen, es wird erzählt und gelacht. Schnell wird klar: Hier geht es nicht nur um Geräte, Frequenzen und Antennen. Es geht um Gemeinschaft, um Austausch und um eine besondere Art, die Welt zu sehen – und zu hören.

DARC steht für Deutscher Amateur-Radio-Club e.V. „Wir treffen uns zweimal im Monat“, sagt der Vorsitzende Hans-Jürgen Bersch. Der erste Freitag im Monat dient dem Austausch im Ortsverband, der dritte Freitag ist ein Techniktreff im Bauernmuseum Lammersdorf. Und dann gibt es noch die tägliche Verbindung über Funk. „Seit Corona treffen wir uns jeden Abend auf Kurzwelle und quatschen eine halbe Stunde einfach so: Wie geht’s, was gibt’s Neues?“ Gerade für einen Ortsverband mit 64 Mitgliedern, verteilt über ein großes Gebiet rund um den Rursee, ist das mehr als Routine. Es hält die Gemeinschaft zusammen – unabhängig davon, wo jemand gerade sitzt.

Von Schleiden bis Schottland

Wie weit diese Verbindungen reichen, zeigen die Geschichten aus der Runde. Hans-Jürgen Bersch erinnert sich: „Ich habe mal eine Stunde mit einem Engländer gequatscht, und dann haben wir festgestellt: Ich habe lange in Berlin in Schöneberg gewohnt, er auch. Wir sind in dieselbe Kneipe gegangen, ohne einander zu kennen.“ Jahrzehnte später begegneten sie sich über Funk – der eine in Schottland, der andere in der Eifel. 

Und so steht den Funkamateuren theoretisch die ganze Welt offen. „Wenn die Sonne es erlaubt“, ergänzt Mitglied Andreas Schulze mit einem Lächeln. Denn wie weit eine Verbindung trägt, hängt auch von den Bedingungen in der Atmosphäre und von der Aktivität der Sonne ab. Sie beeinflusst die Ionosphäre, an der Funkwellen reflektiert werden. Je nach Sonnenlage und -eruptionen tragen die Signale nur über wenige Kilometer – oder einmal rund um den Globus und darüber hinaus. Bis zur ISS hat Andreas Schulze es schon geschafft. „Die Astronauten der ESA, die zurzeit an Bord sind, haben Amateurfunkrufzeichen und funken nach Feierabend auch privat. Das haben wir genutzt, für die fünf bis sieben Minuten, die sie über uns in Reichweite sind.“

Viele Wege zum Amateurfunkdienst

Die Wege in den Amateurfunkdienst sind unterschiedlich. Christian Schlich erzählt: „Mich hat als Kind schon alles fasziniert, was irgendwo blinkt, piepst oder wo Strom drin ist.“ Schon früh wollte er verstehen, wie Technik funktioniert – und stieß so auf den Funk. Monika Gillessen hat ihre erste Lizenz vor fast 50 Jahren gemacht. Bei Andrea Baer ist es 23 Jahre her – sie erinnert sich: „Da war ich die einzige Frau im Prüfungsraum.“ Heute ist das anders. Elisabeth Schmücking zum Beispiel ist erst seit wenigen Jahren dabei, hat schon im Rahmen des Weltfrauentags gefunkt und arbeitet sich Schritt für Schritt vor. „Die Einsteigerlizenz und die E-Lizenz habe ich schon gemacht, jetzt arbeite ich an der A-Lizenz“, sagt sie. Der Einstieg ist für alle möglich – auch ohne großes Vorwissen.

Technik – und mehr 

Für Peter Schmücking liegt die Stärke des Amateurfunkdienstes in seinen breit gefächerten Möglichkeiten: „Jeder findet da etwas.“ Von klassischer Funktechnik über digitale Anwendungen bis zu internationalen Kontakten reicht das Spektrum. Nicht alle Funkamateure sind also technisch sehr versiert oder bauen Geräte selbst. Viele nutzen vorhandene Technik und konzentrieren sich auf den Austausch. Entscheidend ist, dass jede und jeder einen eigenen Zugang findet. Wer den Amateurfunkdienst selbst einmal erleben möchte, hat dazu in der Rureifel regelmäßig Gelegenheit. Ein fester Termin ist der sogenannte Field Day am ersten Wochenende im September, in diesem Jahr der 5. und 6. September, in Mützenich hinter dem Sportplatz, bei dem die Funkamateure ihre Technik im Freien aufbauen und Besucherinnen und Besucher ausdrücklich willkommen sind. Darüber hinaus gibt es immer wieder Aktionen und Treffen, bei denen Interessierte einfach vorbeischauen können. „Wir freuen uns über Gäste“, sagt Peter Schmücking. Wer möchte, kann sich direkt beim Ortsverband melden und das Funken unverbindlich ausprobieren. 

Wenn andere Systeme ausfallen 

Neben Technikfaszination und Kommunikationsbegeisterung spielt auch Verantwortung eine Rolle. Klaus Baer erklärt, dass der Amateurfunkdienst in Notfällen einspringen kann, wenn andere Kommunikationswege ausfallen. Dafür wird regelmäßig geübt.

Hans-Jürgen Bersch verweist auf die gesetzliche Grundlage: „Im Amateurfunkgesetz steht, dass der Amateurfunkdienst für persönliche Weiterbildung, wissenschaftliche Forschung und Unterstützung bei Not- und Katastrophenfällen genutzt wird.“ Gerade in solchen Situationen kann das Netzwerk der Funkamateure entscheidend sein.

Mensch zu Mensch

Und noch etwas steht im Amateurfunkgesetz, das übrigens einen Monat älter ist als das Grundgesetz der Bundesrepublik: die Völkerverständigung. Beim Funken treten Unterschiede schnell in den Hintergrund. „Ich lasse die Politik und die ganze Religion, über die immer gestritten wird, raus – und plötzlich kann ich mich ganz vernünftig mit jemandem unterhalten, egal, ob er in Paris oder sonst irgendwo sitzt“, sagt Andreas Schulze. „Das ist wirklich das Coole.“ 

Worauf es ankommt, ist das Gespräch. Hans-Jürgen Bersch erklärt, dass der Amateurfunkdienst klare Regeln kennt und sowohl Verschlüsselung als auch religiöse, politische, kriminelle oder kommerzielle Inhalte ausgeschlossen sind. Gerade deshalb entsteht ein Raum für Austausch. Elisabeth Schmücking betont diese Offenheit auch für ihren Verein: „Unsere tägliche Funkrunde ist offen für alle, auch für Fremde. Da kann sich jeder reinmelden.“

Eine Gemeinschaft, die trägt

Was an diesem Tag beim Ortsverband Rureifel des DARC spürbar wird, ist das Miteinander. Man fachsimpelt, hilft einander weiter, lacht und plaudert. Alte und neue Hasen, Männer und Frauen, Technikbegeisterte und Einsteiger – sie alle gehören dazu und bleiben auch nach unserem Gespräch in ihrer vertrauten Runde, um sich noch ein bisschen auszutauschen. Menschen, die über eine faszinierende Technik weltweit mit Gleichgesinnten kommunizieren und dabei das Verbindende in den Mittelpunkt stellen. Eine Gemeinschaft, die trägt – und eine besondere Art, die Welt zu sehen. Und zu hören.

Deutscher Amateur-Radio-Club e.V. (DARC)

  • Ortsverband G26 Rureifel
  • Vereinslokal zurzeit: Landgasthof Stollenwerk
  • Im Hech 4 • 52152 Simmerath-Steckenborn
  • Peter Schmücking (DF 3 ED)
  • E-Mail: df3ed@darc.de • www.darc.de/g26

Die Mitglieder des OV G26 treffen sich jeden Abend um 19:30 ME(S)Z im 80-m-Band in LSB auf der Frequenz 3.626 MHz ± QRM und auf 2 m in FM auf 145.325 MHz. Gäste dürfen gerne teilnehmen.

Weitere Ortsverbände des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC, www.darc.de)

  • OV G01 Aachen
  • OV G02 Alsdorf
  • OV G05 Eschweiler
  • OV G14 Herzogenrath
  • OV G45 Aachen-Burtscheid
  • OV G51 Aquisgranum
  • OV G56 Stolberg
  • OV G73 Köln-Aachen
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