Eigentlich ist es ein ganz normaler Nachmittag in der Tiernothilfe: Die Gründerin Tanja Fey füttert Igelbabys und erzählt uns dabei von der Vereinsarbeit. Engagierte Mitglieder sind mit dem Säubern von Käfigen beschäftigt oder bereiten Futter für die Katzen vor. Unterhaltungen und Lachen mischen sich mit dem Miauen und dem Rascheln der Igel in ihren Papierschnipsel-Rückzugshöhlen.
Dann klingelt das Telefon. Zwei Frauen haben im Garten vier Igelbabys gefunden, die reglos in der Sonne liegen. Keine Mutter weit und breit. Tanja Fey fragt ruhig und präzise nach: Sind die Stachel der Igel noch weiß? Wann wurde die Igelmutter zuletzt gesehen? Dann sagt sie: „Bringen Sie die Kleinen vorbei. Aber schauen Sie heute Abend noch mal, ob die Mutter zur Dämmerung zurückkommt.“ Keine zwanzig Minuten später stehen die beiden Frauen vor der Tür. In einer Kiste haben sie, sorgsam zugedeckt, vier winzige Igelchen, kaum größer als eine Faust.
Auch wenn solche Momente hier zum Alltag gehören – sie sind immer wieder bewegend. Die Tiernothilfe Niederzier ist rund um die Uhr erreichbar, denn, so Tanja Fey: „Es ist nichts schlimmer, als wenn jemand Hilfe sucht und niemanden findet.“
Ur-Igel Fridolin
Angefangen hat alles mit Katzen. Tanja Fey war schon in einem anderen Tierschutzverein aktiv, als ihr klar wurde: Der Bedarf ist auch direkt vor ihrer Haustür enorm. 2016 gründete sie die Tiernothilfe Niederzier. Der Verein fing klein an – ein paar Streunerkatzen einfangen, kastrieren lassen, vermitteln. Dann verselbstständigte sich alles: „Es haben sich Menschen gemeldet, die uns mit Spenden unterstützen wollten, zum Glück. Um das zu ermöglichen, haben wir einen Verein gegründet“, erzählt sie. Heute hat die Tiernothilfe 106 Mitglieder und rund 20 Engagierte.
Dem ersten Igel begegnete sie erst 2020 – buchstäblich. Auf dem Vereinsgelände lief er ihr über die Füße. Am nächsten Tag wieder. Und dann kippte er um. „Okay, jetzt hast du ein Problem. Und ich auch“, sagte Tanja Fey damals. Die Tierärzte in der Umgebung konnten nicht helfen – Igel sind Wildtiere und nicht mit kleinen Haustieren zu vergleichen. Also lernte sie selbst, was zu tun ist, und der Verein wuchs noch rasanter. „Wenn man irgendwo ins Internet schreibt: ‚Ich habe einem Igel geholfen‘, dann geht das durch die Decke.“ Aus der Kiste für den ersten Igel – er bekam den Namen Fridolin – wurde eine ganze Station. Heute umfasst das Gelände an der Moritz-Bayer-Straße 1.200 Quadratmeter.
Igel-App
Zum Zeitpunkt unseres Besuchs sind mehr als 70 Igel in der Station. Über 300 hat der Verein allein im ersten Halbjahr 2026 aufgenommen, die Auswilderungsquote liegt bei über 80 Prozent. Die Babys müssen rund um die Uhr gefüttert werden. „Ich laufe im Moment als Zombie durch die Gegend“, lacht Tanja Fey müde. Die Tierschutzarbeit mit den Igeln und Katzen leistet sie zusätzlich zu ihrem Vollzeitjob – jeden Tag.
Warum brauchen so viele Hilfe? „Die Igel finden draußen nichts mehr“, sagt Tanja Fey. „Man hat erwachsene Tiere, die wiegen die Hälfte von dem, was sie wiegen sollten.“ Hinzu kommt: Die wärmeren Winter bringen die Tiere aus dem Rhythmus. Igel wachen früher auf, pflanzen sich früher fort – und die zweite Wurfwelle kommt dann zu spät auf die Welt, um mit ausreichend Gewicht in den Winterschlaf zu gehen.
Jeder Igel bekommt eine Nummer und eine eigene Patientenakte, digital, per QR-Code an jeder Box. Mit dem engagierten IT-Spezialisten Matthias Bree hat Tanja Fey eine App entwickelt, mit der sie jederzeit den Überblick behalten kann. Heute nutzen über 80 Igelstationen in ganz Deutschland die App – kostenlos.
Katzen, Kümmern, Krisenhilfe
Neben den Igeln kümmert sich die Tiernothilfe weiterhin intensiv um Katzen. Streuner, trächtige Katzen, die ausgesetzt wurden, Tiere aus Haushalten Verstorbener oder von Menschen, die ins Pflegeheim ziehen. „Wir haben uns hier Katzenzimmer gebaut, da finden die Tiere ein vorübergehendes Zuhause, bis wir sie weitervermitteln können“, erklärt Tanja Fey.
Auch wenn jemand ein verletztes Wildtier findet, kann er sich an die Tiernothilfe wenden – die Vereinsmitglieder kümmern sich darum.
Echter Einsatz
All das passiert ohne öffentliche Förderung, der Verein finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und den Verkauf selbst hergestellter Handarbeitsprodukte auf Märkten und Festen. Das geht nur mit der Unterstützung vieler engagierter Tierschützerinnen und Tierschützer. „Wenn die Erfolgserlebnisse nicht wären, würde man es nicht machen“, sagt Tanja Fey. „Es gibt Momente, da denke ich, dass ich das Leid der Tiere keinen einzigen Tag mehr ertragen kann. Und dann kommen die nächsten Babys um die Ecke, werden groß und können zurück in die Natur – und dann passt es wieder.“
Mitmachen, spenden, vorbeikommen
Wer die Tiernothilfe unterstützen möchte, hat viele Möglichkeiten. Geld- und Sachspenden sind willkommen, und natürlich auch aktive Hilfe. „Gerne vorbeikommen – aber vorher immer anrufen“, sagt Tanja Fey. Wer regelmäßig helfen möchte, wird eingearbeitet. Die Aufgaben sind vielfältig: Boxen säubern, Tiere füttern, Igel zum Tierarzt fahren, Finder unterstützen, auf Märkten mithelfen.
Im September ist die Tiernothilfe auch auf Veranstaltungen anzutreffen: Am 5. September ist der Verein beim Handwerkerinnenmarkt in Niederzier, am 20. September bei der Linnicher Kindermeile. Und für alle, die zu Hause etwas tun möchten, hat Tanja Fey ein paar einfache Tipps: „Eine Wasserschale im Garten aufstellen. Eine Ecke wild lassen. Und aufpassen mit Mährobotern und Freischneidern.“
Als wir uns verabschieden, liegen die vier kleinen Igelkinder von vorhin warm und sicher in ihrer neuen Box. Es geht ihnen gut – und das ist hier Grund genug, weiterzumachen.
Weitere Tierschutzvereine in der Region:
Tierschutzverein für die StädteRegion Aachen e.V. – Tierheim Aachen, www.tierschutzverein-aachen.de
Tierschutzverein für den Kreis Heinsberg e.V. – Tierheim Heinsberg-Kirchhoven, www.tierschutzverein-heinsberg.de
Tierschutzverein ARCHE EuregioAachen e.V., www.arche-aachen.de
Wildtierhilfe in der Region, www.wildtierschutz-deutschland.de




Frau Frey leistet großartiges und MUSS unterstützt werden. Sie Igel sind vor dem Aussterben bedroht, das MUSS verhindert werden.
Danke für Ihre Hilfe mit ganz viel Herz!