Regional

Mit Paddel und Power gegen den Krebs

Begeisterte Pink-Paddlerinnen Nicole Simons und Danni Hodenius
Begeisterte Pink-Paddlerinnen: Nicole Simons und Danni Hodenius

Mit Paddel und Power gegen den Krebs

  • Mit Drachen auf dem Blausteinsee – der 1. Dürener Drachenbootverein
  • Pink-Paddler: mit Teamgeist zurück ins Leben

Ein sommerlicher Abend am Blausteinsee in Eschweiler. Kinder plantschen im Wasser, Paare sonnen sich, Schwimmer ziehen sportliche Bahnen. Um Sport geht es auch beim Drachenbootteam Pink-Paddler-Düren, das gerade am See eintrifft – und gleichzeitig geht es um so viel mehr: „Paddeln gegen Brustkrebs“ lautet das Motto der zwölf Sportlerinnen in pinken T-Shirts, die ihr gelbes Drachenboot Richtung Wasser tragen.

Das Team Pink-Paddler-Düren gehört zum 1. Dürener Drachenbootverein e.V., genauso wie das Team Paddel-Chaos-Düren, dessen Boot die Pink-Paddler heute für ihr Training einsetzen. Vorne am Bug ist ein farbenprächtiger Drachenkopf zu sehen. In der chinesischen Kultur, der das Drachenbootfahren entstammt, wird der Drache als mächtiges, glückbringendes und schützendes Wesen verehrt. „Unser Drache heißt Fuchur“, lächelt Nicole Simons, die im Verein zu den Pink-Paddlern der ersten Stunde gehört. „Er ist bei uns und trägt uns über die Wellen.“

Pink-Paddler Drachenbootpaddel
Vereinsgründer Alex Dieken und sein Team
Vereinsgründer Alex Dieken ist stolz auf sein Team

Im Takt der Trommel

Die Paddlerinnen stellen das Boot am Ufer ab und starten ein fröhliches Aufwärmtraining am Strand. Anschließend geht es aufs Wasser: Zehn Frauen nehmen jeweils zu zweit nebeneinander in dem Boot Platz und bringen ihre pinken Paddel in Position. Vorne sitzt schon die Trommlerin bereit, und ganz hinten steigt der Steuermann und Trainer Alex Dieken ein. Ein kraftvoller Start, die zehn Paddel stechen synchron im Takt der Trommel ins Wasser, und Augenblicke später ist das Drachenboot schon weit entfernt, mitten auf dem See. 

Wer beim Training der Pink-Paddler zusieht, erlebt geballte Power, nicht nur, wenn die  Trommelschläge und das anfeuernde Zählen der Trommlerin über den Blausteinsee schallen und die Paddlerinnen das Drachenboot gemeinsam voranbringen, sondern vor allem dann, wenn man den Teammitgliedern zuhört. Denn die Frauen im Boot sind oder waren von Brustkrebs betroffen und strahlen dennoch Zuversicht und Stärke aus. Team-Captin Daniela Hodenius erzählt, wie es zur Gründung des Teams kam: Der Vorsitzende des 1. Dürener Drachenbootvereins Alex Dieken war mit seinem Team Paddel-Chaos-Düren bei Regatten – dabei ging es einfach nur ums Drachenbootfahren. Dort lernte er die Aktion „Paddeln gegen Brustkrebs“ kennen und war sofort begeistert. „Für ihn ist das eine Herzensangelegenheit“, betont sie. „Er wollte ein solches Angebot auch für die Betroffenen in unserer Region schaffen und hat dafür einige Jahre gekämpft. Meine Freundin Nicole und ich waren dann mit die ersten, die ins Boot gestiegen sind.“ Daniela Hodenius und Nicole Simons hatten sich bei einer Selbsthilfegruppe kennengelernt und bei einem Brustkrebstag im St.-Antonius-Hospital Eschweiler die Vorstellung der Pink-Paddler-Initiative von Alex Dieken miterlebt. „Am nächsten Tag haben wir es einfach ausprobiert“, erinnert sich Nicole Simons. „Das war am 16. Mai 2023, den Tag werde ich nie vergessen.“ Auch an die Unterstützung des damals noch einzigen Teams im Drachenbootverein erinnern die beiden sich lebhaft. „Der Support vom Team Paddel-Chaos war toll und für uns ganz wichtig“, erzählt Daniela Hodenius. „Ich sehe uns immer noch am Blausteinsee stehen, ziemlich unsicher und mit der Frage: ‚Können wir es schaffen, so ein Boot überhaupt zu bewegen?‘ Mit der Hilfe der anderen Vereinsmitglieder haben wir uns dann herangetastet.“

Körperlich und seelisch stark

Die positive Wirkung des gemeinsamen Paddelns ist nachgewiesen, berichtet Nicole Simons. „Man weiß aus Studien, dass das Risiko für ein erneutes Auftreten von Brustkrebs mit Sport verringert wird“, erklärt sie. Der Körper profitiert enorm von der sportlichen Bewegung an der frischen Luft – unter anderem wird der Lymphabfluss gefördert und Osteoporose als Folge der jahrelangen Therapien eingedämmt. Und natürlich ist das gemeinsame Erlebnis im Boot auch für die Seele gut. „Ich wäre ohne das Boot nicht da, wo ich gerade bin“, betont Daniela Hodenius. „Ich war in einem tiefen Loch – stieg weinend ins Boot und weinend wieder aus. Aber hier im Team haben mich alle verstanden. Das Paddeln hat einen ganz anderen Menschen aus mir gemacht. Vorher war ich Daniela, jetzt bin ich Danni – und ich mag die Danni. Ich bekenne mich zu diesem blöden Krebs und versuche, das Beste draus zu machen.“

Kraft, Ausdauer und Wille – all das holen die Paddlerinnen beim Training und in Wettkämpfen gemeinsam aus sich heraus. „Man kämpft sich zurück ins Leben“, fasst Nicole Simons zusammen. „Und der Drache hilft dabei. Ich hatte viele Operationen und habe danach immer gesagt: In vier Wochen möchte ich zurück im Boot sein. Und das habe ich jedes Mal geschafft.“

Mit dieser Power nahm das Pink-Paddler-Team auch schon wenige Monate nach seiner Gründung an der ersten Regatta teil, beim Deutschland Cup in Datteln. Begeistert erinnert sich Danni Hodenius: „Wir waren voller Adrenalin und Lebensfreude, wir haben es krachen lassen und gut abgeräumt.“ Nicole Simons ergänzt: „Mein Mann hat mich nach dem Rennen tränenüberströmt am Steg in Empfang genommen und gesagt: ‚Das kann man gar nicht begreifen. Was für einen Weg Ihr zusammen geht und welche Erfolge Ihr auf einmal feiert.‘ Und er hat recht, das kann man nicht verstehen, wenn man es nicht selbst erlebt.“

Das Team Pink-Paddler am Blausteinsee mit gelbem Drachenboot
Ein starkes Team: Die Pink-Paddler am Blausteinsee

Alle in einem Boot: Spenden helfen

Inzwischen hat der 1. Dürener Drachenbootverein mehr als 60 Mitglieder aus der ganzen Region: 37 im Team Paddel-Chaos, 25 bei den Pink-Paddlern. „Mich begeistert der Zusammenhalt in der Drachenbootfamilie“, freut sich Gründer Alex Dieken. Dieser Zusammenhalt zeigte sich auch bei einer Crowdfunding-Aktion im April, in deren Rahmen der Verein Spenden für ein größeres Boot sammelte, mit Platz für 20 Paddelnde. Der Vereinsvorsitzende ist dankbar für so viel Unterstützung, ohne die das Vereinsleben nicht möglich wäre. „Es kommen immer viele Kosten auf uns zu, z. B. für Outfits, Startgelder, Fahrt- und Übernachtungskosten. Den Mitgliedsbeitrag halten wir niedrig, damit alle Interessierten und von Brustkrebs Betroffenen bei uns Drachenboot fahren können. Deshalb sind wir auf Spenden und Sponsoring angewiesen.“

Auch neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. „Egal, ob Sie betroffen sind und sich für das Team Pink-Paddler interessieren, oder ob Sie einfach so ins Drachenboot steigen möchten: Sie können einen kostenlosen Schnuppertermin mit uns vereinbaren und das Paddeln einfach mal ausprobieren.“ Der Verein ist offen für alle zwischen 14 und 100 Jahren, die fit genug sind. „Wer zum Beispiel ein Rückenleiden hat, sollte seinen Plan vorher mit dem Arzt besprechen“, fügt Alex Dieken hinzu. „Auch die Pinkies sollten erst dann trainieren, wenn der Arzt grünes Licht gibt.“ 

Mehrmals in der Woche trainiert der Verein am Blausteinsee – bis Ende Oktober. Dann ist der See aus Naturschutzgründen fürs Drachenboot gesperrt, und die Pinkies paddeln z. B. gemeinsam mit einem befreundeten Team in Koblenz an der Mosel weiter. „Da sind wir auch schon bei drei Grad gefahren“, schmunzelt Nicole Simons. Und Danni Hodenius fügt hinzu: „Wir sind nun mal die Pink-Paddler-Düren. Ich bin stolz, Teil davon zu sein, und wünsche mir, dass viele Betroffene von uns erfahren. Sobald sie nach der Diagnose so weit sind, sind wir hier am See für sie da und heißen sie bei uns im Boot herzlich willkommen.“

1. Dürener Drachenbootverein e.V.

Peterstr. 134

52353 Düren

www.drachenboot-dueren.de

Infos zu Pink-Paddler:

www.drachenboot-dueren.de/ppd

kontakt@drachenboot-dueren.de

 

Vergleichbare Vereine in der Region:

0 Kommentare
Schreiben Sie Ihren Kommentar