Das läuft in der Region

Hilfe für Exoten

Schlangen, Schildkröten und Bartagamen: Die Reptilienauffangstation in der StädteRegion Aachen ist für viele exotische Tiere die letzte Rettung.

Hilfe für Exoten - EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH
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Amine und Hartmut Fehr mit einer Kaiserboa

Einfach den Winter überschlafen und im Frühling bei sonnigem Wetter und freundlicheren Temperaturen wieder aufwachen: Wer hätte sich das je nach Wetter- und Gemütslage nicht auch schon mal gewünscht? Die Dalmatinischen Landschildkröten und manche anderen Artgenossen in der Reptilienauffangstation in der StädteRegion Aachen halten es von Natur aus so: „Seit Ende November sind die Schildkröten in ihrer Winterstarre, erst mit Frühlingsbeginn werden sie wieder rege – so lange haben wir kaum Arbeit mit ihnen“, sagt Amine Fehr, Leiterin der vom Veterinäramt Aachen abgenommenen und genehmigten Station. Das heißt aber nicht, dass sie und ihr Team die Hände während dieser Zeit in den Schoß legen können. Denn sie kümmern sich nicht nur um Schildkröten. Bartagamen, Geckos, Chamäleons, Leguane, Kornnattern und andere Schlangen – in der Auffangstation geht es bunt und exotisch zu, und nicht jeder Gast verschläft den Winter einfach.

Rettung in der Not

Für viele der exotischen Tiere bedeutet die Station in Stolberg die letzte Rettung in der Not. „Es handelt sich größtenteils um ausgesetzte und gefundene oder beschlagnahmte Tiere, es sind aber auch private Abgaben dabei“,  berichtet Amine Fehr. Beschlagnahmt werden Reptilien zum Beispiel dann, wenn sie unter Artenschutz stehen und der Besitzer keine Papiere für sie vorweisen kann, oder aber wenn sie nicht art- und tierschutzgerecht gehalten werden. Gründe für private Abgaben sind meist Todesfälle oder einschneidende Veränderungen der Familiensituation. Seit Mai 2014 kümmert sich Tierheilpraktikerin Amine Fehr um solche Tiere – bis zu 100 Bewohner sind zu Spitzenzeiten in der Station untergebracht. Sie brauchen täglich ihr Futter, müssen regelmäßig auf ihren Gesundheitszustand hin kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden, auch die Terrarien gilt es täglich zu reinigen. 

„Wir sind zunächst als Quarantäne- und Auffangstation für Landschildkröten für das Umweltamt der StädteRegion Aachen gestartet, Ende 2017 haben wir unser Angebot dann auch auf andere Reptilien, Fische und Amphibien erweitert“, erzählt Amine Fehr und ergänzt: „Der Bedarf ist da.“ Früher wurden gefundene Tiere oftmals einfach im Tierheim oder an Privatpersonen abgegeben und manchmal auch ohne weitere Prüfung weitergegeben – gerade bei besonders geschützten Arten ist das in dieser Form heute gar nicht mehr zulässig.

Hoher Qualitätsstandard

Bei Amine Fehr sind Schildkröten, Schlangen, Geckos und Co. jedenfalls in guten Händen. Im Rahmen ihrer Praxis, in deren Räumen die Auffangstation untergebracht ist, hat sich die Tierheilpraktikerin u.a. auf Reptilien, Amphibien und Fische spezialisiert. „Sogar auf ein Krokodil wären wir eingestellt – bislang haben wir aber noch keines zu Gast gehabt“, sagt sie. Tiere, die in der Auffangstation abgegeben werden, durchlaufen zunächst eine allgemeinmedizinische Untersuchung und werden bei Bedarf natürlich auch entsprechend behandelt. „Gerade ausgesetzte Tiere leiden häufig unter Parasiten, Landschildkröten untersuchen wir zum Beispiel immer auch auf Herpes. Bei ansteckenden Krankheiten wollen wir sichergehen, dass ein Tier andere seiner Art nicht gefährdet“, so Fehr. Eine Zeitlang verbringen die Tiere dann zunächst in der Quarantäneabteilung der Station, bis feststeht, dass sie wirklich gesund sind – dann können sie in die Freianlage wechseln.

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Improvisieren nach der Flut

Momentan sind viele der kleinen Patienten noch bei Amine Fehr und ihren Mitarbeiterinnen „privat“ und in Ausweichquartieren untergebracht. Denn die Räume der Auffangstation sind durch das Hochwasser im Sommer stark beschädigt und nahezu das gesamte Inventar vernichtet worden. „Seither müssen wir improvisieren, konnten den Betrieb der Station aber aufrechterhalten“, sagt Amine Fehr. Wie viele andere Menschen in der Region wird auch sie die Nacht des 14. Juli nicht so schnell vergessen. „Als der Regen nicht aufhörte und das Wasser zu steigen begann, haben wir die Tiere, die in den tiefer gelegenen Räumen untergebracht waren, nach oben geholt. Wir sind aber davon ausgegangen, dass das Wasser höchstens bis zu 30 oder 40 cm hoch ins Erdgeschoss steigt. Als ich am nächsten Morgen in die Station kam, musste ich feststellen, dass das Wasser über Nacht fast zwei Meter hoch in den Räumen gestanden hat. Ein Leguan und eine Schlange kamen mir schwimmend entgegen: So wie sie haben sich fast alle Tiere, die wir nicht ins Obergeschoss hatten bringen können, selbst gerettet – nur eine Bartagame ist den Fluten leider zum Opfer gefallen. Die Schäden, die das Hochwasser in der Station angerichtet hat, sind zwar beträchtlich, aber das lässt sich alles wieder herrichten“, so die Leiterin der Auffangstation. Tatsächlich sind die Renovierungsarbeiten in vollem Gange, so dass die Tiere demnächst wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren können.

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Vermittlung in ein neues Zuhause

Unzählige Reptilien haben in den letzten Jahren schon einen neuen Besitzer gefunden. Denn auch um die Vermittlung kümmert sich das Team der Auffangstation. Wer einem der Tiere ein neues Zuhause bieten möchte, kann sich direkt bei der Reptilienauffangstation melden. Momentan warten unter anderem eine mesoamerikanische Zierschildkröte, eine 1,40 Meter lange Kornnatter („leicht zu handhaben“, wie es auf der Website der Station heißt) und ein Zwergwüstengecko auf eine neue Besitzerin oder einen neuen Besitzer. 

„Natürlich geben wir die Tiere nur in eine artgerechte Haltung weiter, die neuen Halter müssen das jeweils nachweisen und einen entsprechenden Abgabevertrag unterschreiben. In der Regel kontrollieren wir das auch vor Ort, d.h. wir besuchen die Interessenten und schauen uns genau an, unter welchen Bedingungen die Tiere leben werden“, betont Amine Fehr. „Die Tiere, die bei uns landen, haben häufig schon sehr viel mitgemacht, und es kostet viel Zeit und Mühe, sie gesund zu pflegen. Deshalb ist es uns besonders wichtig, dass jedes Tier in ein möglichst optimales Umfeld kommt.“ Wer ein Tier aufnehmen möchte und auf diesem Gebiet noch nicht so viel Erfahrung hat, den berät Amine Fehr auch gerne und gibt Hinweise, was bei der Haltung der verschiedenen Tiere zu beachten ist.

Mittlerweile verfügt die Reptilienauffangstation über ein zuverlässiges Netzwerk an Interessenten, so dass die meisten Tiere nicht länger als nötig in Stolberg bleiben müssen. Dass die Arbeit in der Station irgendwann mal ausgeht, ist indes nicht zu erwarten. „Leider kommt es immer wieder vor, dass Tiere ausgesetzt oder aber nicht artgerecht gehalten und deshalb beschlagnahmt werden“, weiß Amine Fehr aus langjähriger Erfahrung. Gut, dass die Reptilienexpertin in solchen Fällen als Retterin in der Not bereit steht.

Infos und Bilder einer Auswahl von Tieren, die momentan ein neues Zuhause suchen, sowie weitere Informationen über die Reptilienauffangstation finden Sie im Internet unter:

www.reptilienauffangstation-aachen.de

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