In die Vereinsräume von Aixtraball e. V. in Merzbrück zu kommen kann sich anfühlen wie ein wahrgewordener Kindheitstraum: 45 Flipperautomaten, bunt blinkend und mit den altvertrauten Sounds, bereit für endlose Spiele – ganz ohne das Nachwerfen von Münzen.
Und so strahlen die Mitglieder des Flippervereins auch: wie Menschen, die sich einen Traum erfüllt haben. So ziemlich alle Altersklassen sind unter den mehr als 40 Mitgliedern vertreten, „vom Teenager bis zum alten Knochen“, wie Ralf Behr sagt, der sich selbst schmunzelnd zur zweiten Gruppe zählt. Wenn es ums Flippern geht und um das Leuchten in seinen Augen, dann spielt das Alter überhaupt keine Rolle – genauso wie bei Heiko Radermacher und Fabian Kretschmer sowie beim zweiten Vereinsvorsitzenden Thomas Ferocino. Sie alle berichten während eines sogenannten Liga-Abends begeistert, was sie mit dem Verein verbinden.
„Es fing an mit vier oder fünf Freunden“, erzählt Thomas Ferocino. „Die hatten viele Flipper und brauchten einen Ort dafür, weil die zu Hause viel Platz wegnahmen.“ Die Freunde mieteten eine alte Halle in Merzbrück, stellten ihre Flipper dort auf, trafen sich regelmäßig und spielten zusammen. Thomas Ferocino weiter: „Nach einer Weile kamen sie auf die Idee, einen Verein zu gründen – und ich war das erste Mitglied. Dann ging es schnell, und es kamen viele, viele dazu.“
Komplett geflasht
Einer davon war Ralf Behr, der als Kind in Duisburg seinen Vater zum Frühschoppen begleitete. „In den meisten Kneipen stand ein Flipper. Da hat mein Vater dann zwei Mark reingeworfen und der kleine Ralf, der einen Stuhl brauchte, um gerade mal auf den Flipper gucken zu können, legte los. So bin ich zum Flippern gekommen, und das hat mich meine ganze Jugend begleitet.“ Heute lebt Ralf in Krefeld und fährt regelmäßig die 70 Kilometer nach Merzbrück, um sich mit seinen Vereinsfreundinnen und -freunden dem gemeinsamen Hobby zu widmen. „Das fing bei einem Tag der offenen Tür an, den ich hier besucht habe“, erinnert er sich. „Da war ich komplett geflasht und bin dann Mitglied geworden.“
Diese offenen Tage gibt es immer noch, immer am letzten Sonntag des Monats zwischen 11 und 15 Uhr. Jeder kann kommen und die Flipper ausprobieren – und das zu moderaten Eintrittspreisen, die neben den Mitgliedsbeiträgen das Vereinsleben finanzieren: 5 Euro für Kinder und Jugendliche, 15 Euro für Erwachsene.
Erfühlen und erleben
Auch Fabian Kretschmer hat sich schon in seiner Kindheit mit dem Flipper-Virus infiziert, wie er sagt. Gebürtig aus Solingen lernte er den Verein während seines Studiums in Aachen kennen und lieben. „Das begeistert mich einfach“, freut er sich. „Ich spiele auch gern Computer, aber das Flippern kann man einfach physisch erfühlen und erleben, das macht es für mich so besonders.“
Nicht nur vom Spiel, sondern auch von der Technik ist Vereinsmitglied Heiko Radermacher seit seiner Jugend begeistert. „Mir ging es auch so, dass ich zu so einem Öffnungstag bei Aixtraball gegangen bin und dann ein sehr breites Grinsen auf dem Gesicht hatte.“ Er schätzt vor allem die Gemeinschaft im Verein: „Das sind angenehme Menschen, die technikbegeistert sind. Wir haben gemeinsam viel Spaß beim Spiel, aber auch beim Reparieren, beim gemeinsamen Essen und Trinken oder wenn wir zu Meisterschaften oder Turnieren fahren.“
Tatsächlich: Es gibt sogar eine Flipper-Weltmeisterschaft. „Da wird wirklich auf sehr hohem Niveau gespielt“, stellt Heiko Radermacher fest. „Es gibt nur wenige Spieler, die da mitmischen können.“ Eher erreichbar ist die Clubmeisterschaft, die einmal jährlich stattfindet. Rund 50 deutsche Flippervereine schicken ihre drei besten Spieler oder Spielerinnen dorthin, um den Clubmeister oder die Clubmeisterin zu küren. Ralf Behr: „Deshalb sind wir heute Abend auch hier: Jeden zweiten Freitag im Monat haben wir unsere internen Kämpfe, um zu entscheiden, wer am Ende des Jahres in der Tabelle oben steht.“ Das wird in einer eigens für den Verein programmierten App festgehalten, die ein Mitglied entwickelt hat.
Alte Liebe
Neben den Liga-Abenden kann man als Mitglied auch zwischendurch einfach in den Vereinsräumen eine Runde flippern. Darüber hinaus treffen sich die Mitglieder in regelmäßigen Abständen mit dem befreundeten Flipper-Verein Pinball Party e. V. aus Wittlich – und einmal jährlich gibt es einen Vereinsausflug. In diesem Jahr besuchten die Flipper-Freunde anlässlich des zehnjährigen Vereinsjubiläums das Flipper-Museum in Rotterdam. Das passt, denn bei der Gründung des Vereins 2015 waren Flipper tatsächlich fast nur noch in Museen zu finden. „Sie waren damals fast ausgestorben“, erklärt Heiko Radermacher, „weil diese Standautomaten mit Bildschirmen und Tastaturen kamen. Die waren deutlich wartungsärmer und deshalb bei den Kneipen beliebt. Und sie waren einfach auch neu und spannend für die Leute.“
Doch bis heute werden regelmäßig neue Flipper hergestellt, und die kultigen Spielautomaten erleben seit einigen Jahren sogar eine Art Renaissance. Fabian Kretschmer erklärt sich das so: „Die Leute, die damit groß geworden sind, haben jetzt das Geld – der Kaufpreis für so ein Gerät startet meist bei 8.000 oder 9.000 Euro. Das ist natürlich auch eine Investition.“
Airbrush gegen „Lack ab“
Nicht nur aus nostalgischen Gründen lohnt es sich also, alte Geräte zu reparieren – und auch das ist für viele Vereinsmitglieder eine ganz besondere Leidenschaft. Thomas Ferocino bewundert die wenigen Vereinsfreunde, die Spielfelder restaurieren können. „Wenn die Kugel den Lack abgescheuert hat, dann können diese Bastler tatsächlich mit Airbrush das Spielfeld restaurieren. Das kostet Hunderte von Arbeitsstunden.“ Es fallen aber auch rein technische Reparaturen an, wenn Lämpchen kaputtgehen oder wenn Schalter, Ziele und Flipperspulen den Geist aufgeben.
Technik, Spielen oder Geselligkeit – was lieben die Mitglieder an ihrem Verein am meisten? „Den Wettbewerb“, sagt Ralf Behr sofort, und Heiko Radermacher schmunzelt: „Ja, manche Mitglieder sind ehrgeizig. Manche spielen aber auch eher selten und interessieren sich nur für die Technik. Das sind wirklich die verschiedensten Motive. Mir persönlich geht es um einen schönen Abend mit Spielspaß und um den Austausch mit Gleichgesinnten.“ Die Gemeinschaft findet auch Thomas Ferocino großartig und freut sich, dass im Verein richtige Freundschaften entstanden sind. Fabian Kretschmer schätzt darüber hinaus die Geschichten, die so ein Flipper erzählen kann. „Es werden ja häufig Filmthemen umgesetzt“, erläutert er. „Ich liebe dieses Erlebnis, einen Film auf dem Flipper sozusagen nachzuspielen.“
Die Mischung macht’s, da sind sich alle einig, beim Flipper wie bei den Menschen. Vom Elektroingenieur über den Anwalt bis zum EDV-Spezialisten können sich bei Aixtraball alle darauf einigen, dass Flippern das Leben schöner macht. Wer dabei sein möchte, muss dementsprechend auch nichts Besonderes mitbringen – kein technisches Know-how, keinen eigenen Flipper, kein künstlerisches Talent. Ralf Behr fasst zusammen: „Es reicht, wenn man Lust hat, sich ein bisschen in den Verein einzubringen – und wenn man flipperbegeistert ist.“
Ausprobieren?
- Öffnungstage: Jeder letzte Sonntag im Monat, 11 bis 15 Uhr.
- Eintritt: Kinder und Jugendliche 5 Euro, Erwachsene 15 Euro
- Sonderöffnungstag zwischen den Jahren: Sonntag, der 28. Dezember, von 13 bis 19 Uhr.
Aixtraball e. V.
Merzbrück 210
52146 Würselen
www.aixtraball.de
info@aixtraball.de
Vorsitzender: Michael Melder
Tel.: +49 177 491 34 56
Weitere Flippervereine:
- Pinball-Party e. V., 54516 Wittlich - pinball-party.de
- Freeplay.Ruhr e. V., 45699 Herten - www.freeplay.ruhr
- The Pinball Club, 5617 BC Eindhoven (Niederlande) - www.thepinballclub.com





