Frühjahrsputz im größten Solarpark des Landes

Dank einer Spezialfirma werden alle 57.000 eingesetzten Module wieder sauber

Manuel Kobeck kontrolliert den Einsatz des schonend arbeitenden Reinigungsrobters mit geschultem Auge und dem einen oder anderen Handgriff. Foto: EWV/Markus Bienwald

Herzogenrath. Mit einem leisen Sirren setzt sich der Solar Cleano in Bewegung. Und während sich die beiden Rundbürsten des Reinigungsroboters unablässig drehen, dabei eine saubere Fläche hinterlassen und den Dreck sichtbar von den Solarpaneelen spülen, wird das Gerät von Manuel Kobeck genau beobachtet. „Das ist wichtig, wir müssen ja schauen, dass wir alle Ecken erreichen“, erklärt der Fachmann, der mit seinem kleinen Team derzeit im größten Solarpark in NRW, dem Solarpark Herzogenrath, unterwegs ist, um auch hier einen ordentlichen Frühjahrsputz abzuliefern.

Aber nicht nur ein Modul, oder wie bei manch einem Privatmensch Daheim ein Dutzend, sondern gleich 57.000 Solarpaneele warten auf eine Wäsche. Das geht in diesen gigantischen Dimensionen natürlich nicht ohne Logistik, und hier beweist es sich just beim Besuch der „Solarparkputzer“, wie wichtig es ist, ein eingespieltes Team dabei zu haben. Denn Solarmodule putzen ist nichts für Anfänger. „Man muss schon wissen, was man tut“, sagt Kobeck.

Spüli kommt hier garantiert nicht zum Einsatz
Das fängt schon beim Reinigungsmittel an. „Spüli können Sie vergessen, das greift nur die Dichtungen an, und dann erreichen wir genau das Gegenteil von dem, was wir wollen“, weiß er. Was der Solarpark will, kann Ingenieur Franz-Josef Türck-Hövener als von der EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH, die im Verbund mit den Nivelsteiner Sandwerken und der Stadt Herzogenrath die Anlage betreibt, natürlich ganz genau sagen. „Wir wollen natürlich die Leistung erhalten und wenn möglich noch verbessern“, betont er. Letzteres wird über eine frisch überarbeitete elektronische Ausstattung erreicht.
Doch schließlich sind es die in zwei Bauabschnitten im Solarpark verbauten Photovoltaikelemente, die für die erreichbare Spitzenleistung von 14 Megawatt sorgen. „Sind die Paneele verschmutzt oder wachsen sie zu, liefern sie nicht die Leistung, mit der wir rechnen“, macht der EWVler klar.

Gegen den auf diesem abgelegenen Gelände fröhlich wuchernden Pflanzenbewuchs auf dem mehr als 15 Fußballfelder großen Park gibt es eine süße Schafherde. „Die putzen aber nur untenrum“, so der Ingenieur augenzwinkernd. Für obenrum gibt es Spezialisten wie Manuel Kobeck von einer Fachfirma aus Süddeutschland. Sie rücken Schmutz, Schmodder und Moos, die sich übers Jahr auf den Elementen absetzen, aber nicht mit der chemischen Keule oder roher Gewalt zu Leibe.

Entkalktes Leistungswasser als Reinigungsmittel
Vielmehr nutzen sie einfaches Leitungswasser, das lediglich auf äußerst umweltschonende Art und Weise entkalkt wird, damit sich keine Rückstände bilden. Und sie brauchen einen Putzroboter wie den Solar Cleano. Der hat in etwa die Grundfläche eines handelsüblichen Büroschreibtischs, wiegt gut 70 Kilogramm und verteilt sein Gewicht so geschickt, dass er nur über die sanfte Bewegung der Bürsten bewegt werden kann.
So wird schonend und flott zugleich geputzt und auch die Gewährleistung der Modulhersteller wird nicht angetastet, schließlich ist der Solar Cleano für seinen Einsatz zertifiziert. Um das Teil zu steuern gibt es in diesem ganz besonderen Reinemacheteam einen Spezialisten, der das Gerät per Fernbedienung auf Steigungen bis zu 25 Grad schicken kann – bei einem Tempo von maximal 31 Metern pro Minute. Das ist ganz schön flott, doch das Teil arbeitet auch sehr gründlich, wie sich angesichts des gesammelten, bräunlichen Abwassers und der immer wieder gelösten und weggespülten Moosstückchen problemlos erkennen lässt.
Doch auch dieser mit viel Hightech und einem satt fünfstelligen Preisschild ausgestattete Super-Putzer braucht seine Logistik. Und hier haben die wirklich weiten Flächen des Solarparks Herzogenrath so ihre Tücken. „Wir haben immer so rund 250 Meter Schlauch zum Anschluss an den Tankwagen dabei, meistens reicht das“, erzählt Manuel Kobeck. Nicht so im Solarpark: Hier wird das ganze Wissen und Können der Teammitglieder gebraucht, die mit dem nötigen Schlauchwerk immer geschickt umgehen. So wird Modul um Modul, Einheit um Einheit wieder strahlend sauber.

„Wir sind froh, dass die Spezialisten am Werk sind, so erhalten wir die Leistungsfähigkeit und auch das blaue Schimmern der Anlage im strahlenden Sonnenschein bleibt so lange schön“, sagt Türck. Natürlich weiß er, dass die nebenan geförderten, feinen Sände sich gerne auch auf den frisch geputzten Paneelen gerne niederlassen. „Aber beim ersten Regen ist dieser oberflächliche Schmutz wieder weg“, weiß Manuel Kobeck.
Dass er trotzdem in diesem Jahr noch einmal nach Herzogenrath zurückkehren wird, hat einen anderen Grund: Den Terminkalender. Denn die Auftragslage für die europaweit eingesetzten Solarputzer ist so gut, dass sie in den zwei Wochen in Herzogenrath nur den ersten Bauabschnitt mit seinen 42.000 Einheiten schaffen.

Sauber von oben und unten
Die weiteren 15.000 Module im sogenannten „Hochfeld“, dem zweiten Bauabschnitt des Solarparks, werden sie im Sommer angehen. Und dann wird sich sicherlich noch hier und da ein „Mäh“ in die leise putzende Soundkulisse mischen. Denn dann dürften die hier eingesetzten Schäfchen unter der Anlage Gras und Gestrüpp wegputzen, während oben drauf gründlich durchgewischt wird.
„Eine saubere Sache ist das, eigentlich fast schon schade, dass wir das nur alle zwei Jahre machen“, schließt Franz-Josef Türck-Hövener. Aber die Putzer werden zurückkommen, ganz bestimmt. „Dann hammer aber mehr Schlauch dabei“, meint Manuel Kobeck mit einem großen Lächeln und tiefbayrischem Akzent, ehe er weiterputzen lässt.

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