Die „Solarschafe“ der EWV freuen sich über viel Nachwuchs

Tierisch süßer Nachwuchs im Solarpark Herzogenrath

Ab und zu steigt Franz-Josef Türck-Hövener aus seinem Dienstwagen und zählt einfach drauflos. Doch heute fällt dem Ingenieur der EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH aus Stolberg das Zählen schwer. Der Mann, der hinter dem Betrieb des größten Solarparks in NRW steht, muss immer wieder beginnen. Nicht, dass der Solarpark Herzogenrath – übrigens der größte seiner Art in ganz Nordrhein-Westfalen – ein paar seiner insgesamt 57.000 einzelnen Solarpaneele vermissen würde. Der Grund ist einfacher: Die eigens im Solarpark eingesetzten Schafe bekommen ihre Lämmer. Und das so schnell hintereinander, dass Türck-Hövener immer wieder zu den Schafen kommt, um neu durchzuzählen. Rund 50 Tiere insgesamt sind es aktuell.

Schon kurze Zeit nach ihrer Geburt stehen die in ein weißes oder schwarzes Wollkleid gehüllten Neuankömmlinge auf eigenen Füßen. „Nach ein paar Wochen sind sie richtig gewachsen und bringen die Herde auf Trab“, beobachtete der sonst mit der Planung und dem Betrieb von Solaranlagen beschäftigte Techniker. Ein Lachen huscht über sein Gesicht, als Schäfchen Nummer eins – gut zu erkennen an den mit wollfreundlicher, blauer Farbe aufgebrachten Nummer auf dem Fell - durch das Gehege im Stall springt und ihm das Tier mit Nummer zwei munter folgt. Nummer drei liegt derweil noch gemütlich bei der Mama.
Namen haben die mit Nummern zur Identifizierung versehenen, wahrscheinlich kleinsten und auch jüngsten Mitarbeiter der Solaranlage, zwar nicht. Aber vielleicht kommt das noch: So hat Franz-Josef Türck-Hövener im letzten Jahr schon aus der schnöden Nummer 702 das schöne Schaf „Franziska“ gemacht.

Dass die Tiere derzeit nicht in ihrer eigentlichen Umgebung, dem Solarpark, unterwegs sind, liegt am stürmischen Wetter. Schäfer Bastian Dohms hat wegen des kürzlich herrschenden Sturms die Tiere derzeit im eigens bereitgestellten Stall untergebracht. „An sich ist es kein Problem für die Schafe, sich permanent im Freien aufzuhalten“, weiß der Fachmann. Doch bei den Witterungsbedingungen wollte er seine Schäfchen doch lieber ins Trockene bringen. Dafür nutzen die Tiere und ihr Hirte eine etwas abseits des Solarparks gelegene Scheune.

Dort bieten sich natürlich beste Bedingungen für Mutter und Kind. Einzelne Boxen können dank variabler Spezialzäune schnell erstellt werden, beide können so die erste Zeit erst einmal ungestört zusammen verbringen. Wenn die Wetterlage noch länger anhält, dann könnte der an sich reichliche Platz in der Scheune übrigens knapper werden. „Schließlich sollen da noch weitere Lämmer kommen“, verrät Türck-Hövener. Legt der Sturm sich, werden die Tiere allerdings so schnell als möglich wieder an ihren „Dienstort“ verlegt: den von der EWV gemeinsam mit den Nivelsteiner Sandwerken und der Stadt Herzogenrath betriebenen Solarpark.

Und während sich eine Schafmama ausgiebig um ihr Neugeborenes kümmert und die anderen frisches Heu speisen, erklärt der Ingenieur den Grund für den Einsatz der Schafe. „Wir haben hier ein riesiges Gelände, das ungefähr die Fläche von 15 Fußballfeldern abdeckt“, sagt er. Für eine einwandfreie Funktion sollten alle Panels möglichst ohne Schatten alle freien Blick auf den Himmel haben. „Nur dann können wir die Spitzenleistung von 14 Megawatt generieren“, unterstreicht er. Damit lassen sich rein rechnerisch rund 4.500 Haushalte mit klimafreundlich erzeugtem Strom versorgen.

Wachsen Gras oder Gestrüpp zu hoch, muss es im Sinne einer einwandfreien Funktion der Anlage geschnitten werden. „Statt hier auf Maschinen zu setzen, lassen wir lieber die Schafe ran, die das dann mindestens genauso gut aber ganz bestimmt viel schonender machen“, so Türck-Hövener. Der Nachwuchs ist dann übrigens schon kurz nach der Geburt kräftig dabei, schließlich brauchen die Lämmer auch ordentlich Futter, um schnell zu wachsen.

Im Stall toben die Kleinen richtig schön herum. „Die freuen sich bestimmt schon auf Draußen“, schätzt Franz-Josef Türck-Hövener die Lage ein. Einen richtig bockigen Mitarbeiter hat er aber auch: Der Schafbock, der wohl offensichtlich seiner Aufgabe, für Nachwuchs zu sorgen, wirklich nachgekommen ist, steht abgetrennt in einer Einzelbox. Mit Blick auf die Damen, denen er beiwohnen durfte und die nun alle ihre Lämmer rund um die Osterzeit gebären werden. „Er hat seine Aufgabe erfüllt, in der jetzigen Phase würde er die Ruhe nur stören und alles durcheinanderbringen“, weiß Schäfer Dohms.

Dass die Lämmer immer zu dieser Zeit kommen, ist übrigens nicht von der Natur so eingerichtet worden, sondern hat für Schäfer und Nutzer praktische Gründe. So werden die weiblichen Tiere mit dem Bock zusammengebracht, bevor der Winter anbricht. Die Wolle kann dann auch wuchern, die Tiere sind im Winter ohnehin ruhiger und so können sie zum Frühjahr hin, wenn sie wieder aktiv über die Hänge des Solarparks flitzen, ausgeruht und mit ihrem in Ruhe zur Welt gebrachten Nachwuchs dort aktiv werden.
Damit der Schatten wuchernder Gräser oder Sträucher nicht den Ertrag der Anlage einschränkt, wurde sogar nach einer passenden Rasse Ausschau gehalten. Ouessantschafe erwiesen sich als perfekte Lösung: Sie sind kleiner als gewöhnliche Schafe und können sich mit kurzen Beinen besser unterhalb der etwa hüfthohen Bebauung mit Solarpanels bewegen. Gesucht und gefunden wurden die Schäfchen von Charles Russel, Chef der Nivelsteiner Sandwerke. Die Schafe sorgen mit stetem Biss dafür, dass der Bewuchs nicht den Betrieb der Solaranlage beeinträchtigt.

Das sind gute Aussichten auf eine hoffentlich sonnenreiche Wetterperiode. Aber Franz-Josef Türck-Hövener und Schäfer Bastian Dohms haben noch mehr Grund zur Vorfreude. Denn es werden noch etwa 20 weitere Lämmer erwartet. Dann wird es natürlich eng mit der Namensfindung für alle, hier spielt die Nummerierung ihren Vorteil aus. Aber egal, ob mit Nummern oder Namen: Den Schafen gefällt ihr Job und das Futter wird ihnen auch nicht ausgehen. Denn, so erläutert der Schäfer, sie arbeiten im Solarpark immer in genau festgelegten Feldern, die sie nacheinander immer wieder abgrasen. Und wenn dann ein paar mehr Mäuler zu stopfen sind, stört das hier bestimmt niemanden.

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