Das Umdenken in der Krise „Jetzt ist die Zeit, Versprechen einzulösen“

Städteregion Aachen / Heinsberg / Düren. Als Manfred Schröder Aschermittwoch von Köln nach Stolberg fuhr, sagte ihm sein Bauchgefühl, die Lage ist ernst. „Eigentlich hatte ich noch Urlaub, aber als ich die Meldungen der beiden Corona-Fälle im Kreis Heinsberg las, war mir klar, wir müssen handeln“, erinnert sich der EWV-Geschäftsführer. Der erste Krisenstab der EWV tagte noch am selben Tag. Die Kundenzentren im Kreis Heinsberg wurden sofort geschlossen. Eine Maßnahme die zu dem Zeitpunkt noch nicht üblich war, sagt Manfred Schröder: „Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, ob wir nicht überreagieren oder gar belächelt werden.“ Was sich im Nachhinein als überflüssig erwies.

Schlag auf Schlag folgten neue Entscheidungen aus dem Krisenstab. Am 16. März wurden alle 240 Mitarbeiter der EWV ins Home Office versetzt. Seither läuft der Betrieb hauptsächlich digital. „Das Leben der Menschen in unserer Region, in unserem Land und auf der ganzen Welt hat sich komplett verändert“, so Manfred Schröder. Das stellt auch Unternehmen vor neue Aufgaben. Als Energieversorger nimmt die EWV gleich zahlreiche Rollen ein: „Wir sind Energielieferant, Ansprechpartner für unsere Kunden, Arbeitgeber, Vermieter und natürlich auch ein Unternehmen, dass wirtschaftlich arbeiten muss, damit unsere regionalen Gesellschafter weiterhin auf uns bauen können.“

Schnell steht für Manfred Schröder fest, was in dieser Krise oberste Priorität für die EWV hat: Die Menschen in unserer Region. „Und hier vor allem unsere Kunden und Mitarbeiter. ‚Wir sind für unsere Region da‘ ist ein leicht gemachtes Versprechen, doch jetzt ist die Zeit gekommen, dieses Versprechen einzulösen“, sagt Manfred Schröder. So werden bei der EWV aktuell alle Mitarbeiter weiterbezahlt, auch wenn der ein oder andere Job nicht für das Home Office geeignet ist. Da ist Umdenken gefragt. Mitarbeiterinnen, die bislang die Besprechungsräume bewirtschaftet haben, packen nun Tüten für Gabenzäune. Baumwolltaschen, die für Messen gedacht waren, werden als Stoffspenden für Schutzmasken an Näherinnen verschickt.

Das gleiche gilt für den Vertrieb, den man zurzeit eher Beratungsservice nennen könne, erklärt Manfred Schröder: „Wir sind jetzt als Berater mehr gefragt denn je. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, pauschale Maßnahmen zu ergreifen. Wir betrachten jeden Fall individuell, sei es Industrie-, Gewerbe- oder Privatkunde. Was für den einen eine gute Lösung ist, könnte für den anderen nur ein Verschieben von finanziellen Problemen bedeuten.“ Manchmal genügt eine Abschlagsanpassung, manchmal ist eine Stundung besser, aber auch ein Produktwechsel kann eine Option sein. Eine Pauschallösung gibt es hierfür nicht. Darum bittet Manfred Schröder die Kunden, sich aktiv mit ihren Anliegen an die EWV zu wenden. „Und natürlich werden wir in diesen Zeiten keine Energieliefersperren vornehmen“, ergänzt Manfred Schröder. Dies sei für ihn selbstverständlich.

Dies alles sind Themen, die die EWV aktiv steuern kann. Aber auch Energieversorger spüren die negativen Auswirkungen der Corona-Krise, sagt Manfred Schröder: „Viele unserer Industrie- und Gewerbekunden mussten ihre Läden dicht machen. Wer nicht produziert, verbraucht keinen Strom. Dabei haben wir das, was die Firmen an normalen Tagen verbrauchen, quasi schon gebunkert.“ Strom wird oft bis zu zwei Jahre im Voraus eingekauft. Zu festen, normalen, überschaubaren Preisen. Aber momentan ist nichts überschaubar oder normal. So bieten Energieversorger die überschüssigen Strommengen nun europaweit auf dem sogenannten Spotmarkt an. Weil jetzt überall Strom übrig ist, bringt er nun deutlich weniger ein, als er beim Einkauf gekostet hat.

„So haben alle Unternehmen mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen. Doch wir versuchen diese Herausforderungen nicht nur negativ zu betrachten, sondern auch unsere Chancen darin zu suchen. Das ist nicht immer leicht, hilft aber, in dieser schwierigen Zeit, die Motivation aufrecht zu halten. Für mich persönlich halten unsere Kunden und Mitarbeiter meine Motivation hoch, bei denen ich mich auf diesem Weg herzlich für ihr Vertrauen in uns bedanken möchte“, schließt Manfred Schröder.

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