52 Schafe sorgen dafür, dass die Sonnenenergie richtig fließen kann

Solarpark Herzogenrath bekommt tierische Unterstützung.

Der Solarpark Herzogenrath hat neue Mitarbeiter - und davon gleich 52 Stück. Es sind keine neuen Solarmodule, sondern 52 kleine Vertreter des sogenannten „Ouessantschafes“, der kleinsten Schafsrasse Europas. Gesucht und gekauft wurden die neuen Mitarbeiter, die nicht für Lohn, sondern für leckeres Gras und Gestrüpp arbeiten, von Charles Russel, dem Chef der Nivelsteiner Sandwerke. Gemeinsam mit der Tochterfirma n.s.w. energy, der Stadt Herzogenrath und der Energieversorger EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH aus Stolberg wird auf dem weitläufigen Gelände der größte Solarpark in NRW betrieben: Der Solarpark Herzogenrath.

Und das bedeutet vor allem eins: Viel Fläche, auf umgerechnet rund 15 Fußballfeldern sind hier 57000 Solarmodule installiert und bringen so 14 Megawatt Spitzenleistung. Damit das auch so bleibt, sind nun die kleinen Vierbeiner im Einsatz. Mit ihrem Schäfer Bastian Dohms sind sie seit ein paar Wochen im steilen Hang unterwegs und sorgen mit ihrem steten Hunger dafür, dass der größte Solarpark in NRW nicht zuwuchert. „Wir müssen ja nicht nur die Module an sich regelmäßig reinigen“, weiß der zuständige EWV-Ingenieur Franz-Josef Türck, der für den reibungslosen technischen Betrieb des Solarparks zuständig ist. „Wir müssen auch regelmäßig den Bewuchs so klein halten, dass er keine Schatten auf die Fläche wirft“, weiß er.

Warum nun ausgerechnet die kleinen Schafe auf dem riesigen Areal nicht nur ein süßer Blickfang, sondern eine echte Problemlösung sind, weiß Schäfer Dohms: „Normale Schafe, wie beispielsweise das Merinoschaf, sind mit ihrer Körpergröße einfach nicht in der Lage, das unter der Solaranlage wuchernde Gras und die Stengel abzufressen.“ Die kurzbeinigen „Ouessantschafe“, die ursprünglich aus der Bretagne stammen, sind da ideal. „Sie können sich prima auch unter der Anlage bewegen und haben keine Probleme mit der niedrigen Höhe“, berichtet Dohms.

Beim Besuch der Anlage fällt das sofort auf, denn fast alle der durchaus zutraulichen Tiere sind „bei der Arbeit“ und fressen vor allem unter den Solarmodulen das an dieser Stelle wuchernde Grün. Die derzeitige Trockenheit ist kein Problem für die robusten Tiere, vielmehr ist es sogar eine positive Situation, denn bei wenig Regen bleibt der Bewuchs überschaubar, und die Herde kann alles in Ruhe abarbeiten.

Ein paar Pfiffe und ein wenig Rappeln mit dem Futtereimer genügen Bastian Dohms, damit die Schafe sich um den 28-Jährigen versammeln. Er betreibt den Job als Schäfer nicht als Hauptberuf, sondern nimmt die Aufgabe als gern genutzte Chance, abseits des Arbeitsalltags als Teilzeitschäfer die Ruhe des sonnigen Fleckchens Erde zu genießen. „Hier ist ja nichts, da kann man schön abschalten“, sagt er mit großem Lächeln. Und tatsächlich: Ab und zu dringen ein paar leise Maschinengeräusche aus dem aktiven Teil des Sandtagebaues an die Ohren. Hier und da ist eins der typisch weißen Geländefahrzeuge zu sehen. Ansonsten ist Bastian Dohms mit den 52 Schafen aber ganz alleine unterwegs.

Die Ruhe ist auch genau das Richtige für Franz-Josef Türck, der sich freut, gleich 52 neue Mitarbeiter begrüßen zu können. Ein Schaf hat es ihm dabei übrigens ganz besonders angetan. Es trägt die Nummer 702. „Namen haben die nicht“, wirft Bastian Dohms ein. Das bewegt Türck gleich dazu, sich einen Namen zu überlegen. Lange braucht er nicht, schon ist aus der „702“ die „Franziska“ geworden, passend zum ersten Vornamen ihres „Chefs“. „Vielleicht lasse ich mir noch 51 weitere Namen einfallen“, scherzt Türck kurz bevor er die Schafe und ihren Schäfer wieder ihr Tagwerk tun lässt.

Doch vielleicht muss er sich bald noch viel mehr Namen einfallen lassen. Denn die Arbeit der unermüdlichen vierbeinigen Helfer beginnt in der Wachstumsperiode ab ihrem ersten Einsatz im Frühjahr immer wieder von vorne. „Wenn ein Feld abgeerntet ist, dann können wir eigentlich direkt wieder von vorne anfangen“, so Dohms. So sind die Tiere das ganze Jahr über hier unterwegs. Nur in harten Wintern müsse wirklich beigefüttert werden, erzählt der Schäfer, der trotzt seiner 28 Jahre schon viel Erfahrung mit den Tieren gesammelt hat. Dennoch sind 52 Schafen auf der riesigen Fläche eigentlich zu wenig. „Wir bräuchten nochmal so viele“, sagt Dohms. Aber da sich unter den Schafen schon jetzt viele Lämmer aus diesem Jahr befinden, könnte es sein, dass die Herde sich im nächsten Jahr schon wieder ganz natürlich von selbst vergrößert hat. „Dann haben wir noch viel mehr Mitarbeiter, das wäre super“, freut sich EWV-Vertreter Franz-Josef Türck. Und auf dem Rückweg über die Pisten in den Sandwerken hört man schon fast, wie er immer wieder neue Namen flüstert.

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